Benefizkonzert mit Rene Clemencis und Esmail Vasseghi
Im "Großen Salon" des Schiffsmeisterhauses findet der interessierte Gast eine Eintragung im Gästebuch der Familie Rebasso, datiert 9.2.2000: "Auf die Familie Rebasso und auf dieses revitalisierte Juwel aus dem 16. Jhr. darf unsere Stadt sehr stolz sein. Es legt deutlich Zeugnis über die große kulturgeschichtliche Tradition Klosterneuburgs ab." Unterschrift: Dr. Gottfried Schuh und Gattin
In diesem Raum, bei einem Benefizkonzert zugunsten der PUK, das unter der Devise "Künstler für die Erhaltung der Klosterneuburger Au und gegen die Umfahrung" lief, spielten der weltbekannte Multiinstrumentalist, Interpret alter Musik und Komponist René Clemencic zusammen mit dem Persischen Virtuosen auf dem Santur und Tombak Esmail Vasseghi (in dieser Formation bekannt als Duo Orient-Okzident des Clemencic Consort) mittelalterliche Musikstücke in unterschiedlichsten Instrumentierungen.
Vor einem begeisterten Publikum kamen eine Reihe von einfachsten und naturnahen Flöten, von einer spannenlangen, fingerdicken Schalmei mit singendem Klang, über warmtönende Hornflöten, Überblasflöten mit Naturtonreihen, sogar Doppelflöten zum Einsatz, wobei Charakteristiken und Einsatzbereiche immer wieder von Prof. Clemencic erläutert wurden. Subtile Klangfolgen vom weichen, einschmeichelnen Melodien bis hin zu durchdringendem Fortissimo. Atemlose Stille auch bei den Solis von Esmail Vasseghi auf dem Santur (persiches Hackbrett), deren transparentes Klangbild und die komplexen Rhythmen bis in den hintersten Winkel des Raumes drangen. Fassungslose Begeisterungsstürme auch über die subtilen Klangbilder, die der Persische Virtuose dem Tombak, einer einfachen Trommel, sowohl im Zusammenspiel mit den Flöten, als auch in Percussionssolos entlocken konnte.
Im Raum herrschte eine unglaubliche Stimmung. Das unprätenziöse Auftreten der Künstler, die über die fast archaischen Instrumente hergestellte Verbindung von musikalischer und architektonischer Tradition zur bedrohten Natur vor der Haustür waren körperlich greifbar. Nicht endenwollender Applaus signalisierte dem Künstlerduo tief empfundene Dankbarkeit für ihren Einsatz. Die PUK überreicht als Erinnerung den Künstlern ein Photo der unberührten Aulandschaft . Dank geht auch in Richtung des Organisationskomitees, allen voran Alexandra Faustenhammer, Edda Clemencic und Maria Nebehay.
Familie Rebasso ließ es sich nicht nehmen, Künstler und Publikum zu einem Buffet einzuladen. Der Abend klingt diskussionsreich aus.
Künstler und Publikum sind fassungslos, dass wenige Schritte von diesem Haus, wo derzeit über den Bahndamm der Blick auf die Aubäume freiliegt, meterhohe Lärmschutzwände errichtet werden sollen, die dieses Renaissancehaus von einer endlich nach dem Willen unseres Bürgermeisters "gebändigten Natur" (Beton- und Asphaltbänder) trennen werden.
Man darf sich fragen, ob spätere Generationen sagen werden: "Auf
Bürgermeister Schuh und seine im 21. Jhr. neu geschaffenen 5,25 ha Straßen
darf unsere Stadt sehr stolz sein. Diese legen deutlich Zeugnis über die
... aus orts- und landschaftsbildlicher Sicht gelungene Betonung dieser
neuen Ortsbilddominaten als Merkzeichen und als Orientierungszeichen des
Überganges vom städtischen Siedlungsraum in die Aulandschaft (Worte des
Sachverständigen für Ortsbildgestaltung)."
Bernd Schweeger