Umfrageauswertung
Tabellen und Kommentare finden Sie hier.
Einiges Wissenswerte zum Umfeld der Stadtgemeinde-Befragung:
· Bereits im März wurde im Gemeinderat mit Stimmen der ÖVP und SPÖ eine Resolution an das Land NÖ verabschiedet, die die schnellstmögliche Umsetzung des Projekts „Martinstunnel“ fordert. Eine BürgerInnenbefragung danach durchzuführen zeigt, welchen Stellenwert BürgerInnenbeteiligung in Klosterneuburg besitzt, wenn Beschlüsse bereits im Vorfeld gefasst wurden.
· Es wurden Haushalte befragt, nicht Personen. Damit werden Aussagen über die Nutzung der „Umfahrungsstraße“ wertlos, denn es muss Unterschiede geben zwischen Ein- und z.B. Siebenpersonenhaushalten. Gleichzeitig wird unterstellt, dass alle Haushaltsmitglieder die gleiche Meinung vertreten.
· Es ist gelinde gesagt kühn, bei einer 40% Rücklaufquote mit ca. 60% Zustimmung zum Bau eines Tunnels von einer breiten Zustimmung zu sprechen: explizit haben sich nur knapp ¼ der antwortenden Haushalte für einen Tunnel ausgesprochen.
· Es bedurfte eines Dringlichkeitsantrages (Dringlichkeit mit schwarz-grüner Mehrheit aberkannt)zur Gemeinderatssitzung am 3. Juli und einer „Dringlichen Anfrage“ an den Bürgermeister zur Gemeinderatssitzung am 2. Oktober, um die Rohdaten der Verkehrsbefragung vom Frühjahr ausgehändigt zu bekommen. Am 16. Okt. wurde die Zur-Verfügung-Stellung „so rasch als möglich“ schriftlich zugesichert. Erhalten haben wir sie bis heute nicht. Es wird also Datenmaterial, das mit unser aller Steuergelder erhoben wird, bereits über ein ½ Jahr unter Verschluss gehalten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
· Die Fragen der Gemeinde beziehen sich praktisch ausschließlich auf Kfz-Verkehr, und ignorieren damit vollständig alle Zusammenhänge mit Fragen der Raumordnung, der Lebensqualität, der Klimagerechtigkeit, der Schadstoffe, der Versorgungssicherheit und der Wohlfahrt. Hier eine komprimierte Form der Gemeinde-Befragung:
Die Entlastungsstraße Klosterneuburg wurde am 19. Dezember 2008 dem Verkehr übergeben.
Ist die neue Entlastungsstraße für Ihre Verkehrswege von Vorteil? – Ja? Nein?
Wie oft benutzen Sie die Entlastungsstraße? – Nie? 1-5 Mal pro Monat? 1-5 pro Woche? 1-3 Mal pro Tag?
Befürworten Sie die Verkehrsmaßnahmen, die zur Verminderung des Durchzugsverkehrs in der Oberen Stadt getroffen wurden? – Ja? Nein?
Als weiterer Bauabschnitt zur Entlastung des Stadtkerns ist der so genannte Martinstunnel geplant, der die Entlastungsstraße von ihrem jetzigen Ende (Kreisverkehr Eurospar Albrechtsstraße) mit der Kierlingerstraße (Bereich Lessinggasse) verbindet. Ist aus Ihrer Sicht die Realisierung des Martinstunnels zur Verkehrsentlastung notwendig? – Ja? Nein?
Jeder/jedem der sich mit Fragebogentechnik auch nur ein klein wenig befasst, muss klar sein, dass die Verwendung des Wortes „Entlastung“ durchwegs positiv besetzt ist und man daher geneigt ist, zuzustimmen, ohne sich wirklich mit den Hintergründen auseinanderzusetzen.
· Eine detaillierte Presseaussendung zu der Gemeinde-Umfrage finden Sie unter http://unser-klosterneuburg.org/archiv/presseinformationen/auswertung_haushaltsbefragung.
· Es wird eine Befragung durchgeführt, ohne ausreichend über Sachverhalte informiert zu haben.
Unsere Internet-PUK-Umfrage steht seit Mitte Juni auf unserer Homepage (http://unser-klosterneuburg.org/archiv/aktivitaeten/umfrage0905). Bis jetzt haben 126 Personen den Fragebogen elektronisch und anonym ausgefüllt. Die Kernteammitglieder haben wie vereinbart an dieser Umfrage nicht teilgenommen, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.
Inhaltlich orientiert sich der Fragebogen an unseren 5 Kernthemen:
· Verkehr/Mobilität
· Stadtentwicklung und Raumplanung
· Energie
· Naturraum und Naherholung
· Soziales
Neben einer Gesamtauswertung liegen Differenzialauswertungen nach Geschlecht, Altersgruppen, sehr positiver versus weniger positiver Bewertung der PUK-Arbeit (Imagewerte) vor.
Diese Auswertung stellt eine Kurzversion dar: Detaildaten und unredigierte Anmerkungen derjenigen, die den Fragebogen ausgefüllt haben, finden Sie auf unserer Homepage hier. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass einige Differenzialauswertungen nicht öffentlich zugänglich gemacht werden.
Verkehr/Mobilität
Was wäre bei einem neuen Verkehrskonzept vorrangig zu beachten?
Busse und Bahn, Sichere Fußwege, belegen die ersten Plätze, knapp gefolgt von Radwegen. Relativ deutlich abgeschlagen Flächendeckung, allgemeine Sicherheit und Straßenqualität. Frauen liegen bei Busse und Bahn sowie sicheren Fußwegen deutlich voran. Sichere Fußwege und Flächendeckung sind den unter 35 deutlich wichtiger – diese denken offenbar sehr stark an ihre Kinder. Die 36-50j legen besonderen Wert auf die Öffis und auf Radwege. Sicherheit erhält für die über 65 stärkere Bedeutung. Straßenqualität ist nur bei den unter 35 nicht an letzter Stelle.
19 Kommentare zu verschiedensten Themen: Lärm, Konzeptlosigkeit, Durchzugsverkehr, Zuverlässigkeit des Öffentlichen Verkehrs, Radwegführung, unkoordinierten Bauarbeiten, Verbindung unterer und oberer Stadt, Gefahrenstellen, P&R-Anlagen, Vorrangsysteme, öffentlicher Raum für Fußgänger, Priorität der Verkehrsberuhigung.
Stadtentwicklung und Raumplanung
Wichtige Elemente von Lebensqualität in Klosterneuburg?
Grünraum und Nahversorgung liegen sehr einheitlich ganz vorne, mit einem großen Abstand zu allen weiteren Elementen. Orte der Begegnung folgen am 3. Platz. Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten und Verbauung folgen deutlich abgeschlagen. Grünraum ist bei Frauen, interessanterweise die Nahversorgung bei Männern deutlich wichtiger – könnte das bereits ein Hinweis auf sehr partnerschaftliches Verhalten sein? Nahversorgung ist bei den alten Menschen erwartungsgemäß absolut vorrangig. Bei den Jungen interessanterweise der Grünraum absoluter Spitzenreiter.
16 Kommentare zu verschiedensten Themen: kommunale Zentren in Katastralgemeinden, Lärmminimierung, großvolumige Bauten, Skepsis betreffend Einkaufszentren, innerstädtische Orte der Ruhe, Zersiedelung, Lokalszene, Urbanisierung.
Energie
Was soll Stadtgemeinde gegen die Energiekrise tun?
Das Bewertungssystem war bei dieser Frage etwas anders – nach dem „Schulnotensystem“, weil es bei Energiemaßnahmen kein entweder-oder gibt, und man verschiedene Maßnahmen parallel setzen muss.
Alle Elemente erhalten ein Bewertung von besser als „gut“ (2), bis auf Kraftwerke mit Biomasse und kommunale Energieunabhängigkeit Modell Güssing.
Spitzenreiter sind Förderung der Isolierung von Wohnbauten und der Förderung des Öffentlichen Verkehrs. Alternative Energieversorgung und Stromsparende Straßenbeleuchtung werden als geringfügig weniger wichtig eingeschätzt. Diese Frage wird sehr einheitlich nach Geschlecht und Alter beantwortet. Bei den Alten liegt aber der Ausbau der Öffis sehr deutlich an erster Stelle.
(Kommentar am Rande: die Förderungen zu Althaussanierung mussten in einem Nachtragsvoranschlag beim GR am 2.10.2009 um 150% von €12.000,- auf €27.000,- erhöht werden, die Förderung alternativer Energieanlagen von €18.000,- auf €58.000,-, also um 320%. Anlässlich der Budgeterstellung für das laufende Jahr hatte Bernd Schweeger bei seiner Budgetrede auf die schamlose Unterdotierung dieser Bereiche hingewiesen. Unsere Prognose: auch der Nachtrag reicht für 2009 sicher nicht!).
9 Kommentare zu verschiedensten Themen: Biomasse, bauliche Maßnahmen zur Reduktion von Verkehr, beleuchtete Werbeflächen, Finanzierbarkeit, Nachhaltigkeit, Beratungsangebote, Insektenfreundlichkeit der Beleuchtung
Naturraum und Naherholung
Was tun um Qualität dieses Lebensraums zu erhalten oder zu erhöhen?
Zugänglichkeit steht ganz oben auf der Prioritätenliste. Danach scheiden sich die Geister – die durchschnittlichen Rangwerte liegen ziemlich nahe beisammen, was für eine wenig einheitliche Sicht spricht. Aktivitäten ähnlich Nationalpark, Wegmarkierungen oder barrierefreie Spazierwege werden als weniger wichtig angesehen. Einige schriftliche Kommentare erklären das ganz gut: „Weniger tun ist Mehr“, „In Ruhe lassen“ lautet der Tenor. Ebenso klar die Forderung nach „Keinen weiteren Zerstörungen“ und „Nicht zersiedeln“.
Männer und generell die Gruppe der 51-65 tendieren mehr in Richtung „Nationalparkaktivitäten“, während Barrierefreiheit vor allem von den älteren MitbürgerInnen gefordert wird.
16 Kommentare zu verschiedensten Themen: Vorsicht vor touristischer Erschließung, keine Parklandschaft, BürgerInneninformation, totale Ablehnung von Verbauung aller Art, Zerstörung, Schutz von Flora und Fauna, einfaches Leitsystem, Bewahrung von Biotopen, städtischer Grünraum.
Soziales
Was soll Stadtgemeinde in Bezug auf Jugendarbeit, Frauen, Senioren, Benachteiligte unternehmen?
Sicherung fußläufiger Nahversorgung ist klarer Spitzenreiter, Jugendzentren ohne Konsumzwang liegen auf Platz 2. Interessant ist ein Ausreißer: in der Altersgruppe der 51-65j belegen solche Zentren deutlicher als bei irgendeiner anderen Gruppe Platz 1. Interpretation: diese Gruppe ist in ihrem persönlichen Leben nie in den Genuss solcher Einrichtungen gelangt, und ordnet daher diesem Sachverhalt besondere Bedeutung zu. Wohn- und Pflegemodelle belegen Platz 3, steigende Bedeutung für ältere Menschen ab 51. Sozialmärkte und Notunterkünfte rangieren weiter hinten. Weitestgehend einheitlich dabei die Sicht der Befragten. Dass Sozialmärkte und Notunterkünfte weniger hohen Stellenwert haben überrascht (leider) nicht: die an den Rand der Gesellschaft gedrängten sind nicht gerade die Personen, die an Internet-Befragungen teilnehmen. Dabei reden wir hier nicht von „SandlerInnen“ und „TrittbrettfahrerInnen“, sondern überwiegend von alleinerziehenden Müttern, über denen die Armutsfalle zuschnappt. Wir dürfen diese Menschen nicht vergessen!
5 Kommentare zu verschiedensten Themen: Gastronomie, Parktreffpunkte, Leistbarkeit des Wohnens, mögliche Vereinslokale, Unterstützen der Öffentlichkeitsarbeit von Vereinen.
Die „offene Frage“
Was ist Ihnen über die angesprochenen Themenbereiche hinaus sonst noch wichtig?
12 Kommentare zu verschiedensten Themen: sachorientierte Gemeinderatsarbeit, echte BürgerInnennähe und informierte BürgerInnenbeteiligung, Sicherung von Bildungs- und Gesundheitswesen, Ortsbild, Umgang mit den Ergebnissen solcher Fragebögen, Standortstrategien für Klosterneuburg, Gestaltung des öffentlichen Raums, Unterstützung verschiedener Bevölkerungsgruppen, leistbare Wohnungen, Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen.
Die genauen Formulierungen finden Sie wie alle anderen Daten auf dem oben angeführten Link.
Imagewerte
An erster Stelle wird der PUK ein hohes Maß an Umweltbewusstsein und Konsequenz attestiert. Die Durchschnittswerte liegen dabei im Spitzenbereich. Auch die Werte der anderen vier Skalen (sozial, dynamisch, bürgernah, bodenständig) liegen im oberen Viertel. Wir sind zwar stolz auf diese Beurteilungen, werden aber auch nicht selbstherrlich: wir sind dankbar auch für negatives offenes Feedback und werden uns bemühen, an einige Schwächen zu arbeiten.
Bei den Kommentaren: größtes, aber uns nur zu gut bekanntes Problem ist die zu geringe Medien- und Öffentlichkeitspräsenz. Herzerwärmend Aussagen, dass wir als einzige Gruppe im Gemeinderat erlebt werden, die eine ganzheitliche Sicht vertritt – Reden und Handeln stimmen überein. Dass wir es in dieser Gemeinde mit ihren Machtstrukturen schwer haben, bekommen auch einige mit. Da wir versuchen, differenzierte Beurteilungen von Situationen und ebensolche Begründungen zu liefern, schaffen wir es nicht, mit oftmals plakativen und recht oberflächlichen Argumenten anderer Gemeinderatsfraktionen bei den Medien zu konkurrieren. Einfache, vordergründig klare, wenn auch falsche Aussagen sind medial leichter zu transportieren als „abgehobene“ Analysen.
Wir haben innerhalb des Kernteams klar vereinbart, bei den zu erwartenden Schmutzkübelkampagnen der politischen Mitbewerber im Rahmen des Gemeinderatswahlkampfes nicht mitzutun, werden aber durch entsprechende Klarstellungen – und gegebenenfalls härteren Maßnahmen gegen diejenigen vorgehen, die den Bogen überspannen.
Wir bitten um Verständnis, dass eine Differenzialdiagnose der typischen „PUK-SympathisantInnen“, die durchaus aus dem Datenmaterial ableitbar ist, nicht offengelegt wird. Alle Kommentare sind dennoch ohne Zensur auf unserer Homepage enthalten.