Radverkehr in Klosterneuburg
Es ist an der Zeit, Radfahren - eindeutig wesentlicher Bestandteil „sanfter Mobilität“ - deutlich zu thematisieren und Einiges zurechtzurücken, was an Fehlinformationen verbreitet wird.
Was fein ist, aber nicht genügt
Klosterneuburg liegt am Donauradweg Passau-Hainburg. Viel Tourismus hat sich um diesen Donauradweg entwickelt. Für viele Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe haben sich Radfahrer zum unverzichtbaren Umsatzträger entwickelt.
In letzter Zeit wurde auch in Klosterneuburg einiges für Donauradwegtouristen gemacht, allerdings stehen die erzielten Verbesserungen in keinem Verhältnis zu den verursachten Kosten oder den angerichteten Schäden.
Typisches Beispiel ist eine zusätzliche Fahrrad-Trasse von der Brücke beim Kierlinger Bahnhof, entlang des Happyland-Parkplatzes zur Anbindung an den Radweg entlang dem Aupark-Vielzweckgelände. Dieses knapp 150m lange Asphaltband (statt bisheriger Vegetation) ist uns € 87.000,- aus dem Budget der Stadtgemeinde wert. Die Realisierung steht vor dem Abschluss.
Weiteres Beispiel: beginnend bei der Durchstichbrücke beim Essl-Kunsthaus soll entlang der Haassiedlung direkt am Durchstich ein Radweg geführt werden. Dieser Weg wird von der Haassiedlung durch einen Zaun getrennt sein, die steile Böschung zum Durchstich, die tief fundamentiert werden muss, ist allerdings völlig ungesichert geplant. Dieser Weg soll sich entlang des Durchstichs bis zum Auslaufbauwerk des Strandbadarmes führen, diese mittels einer entfernbaren (!) Brücke überqueren, weiter zum Treppelweg an der Donau, auf diesem ca. 100 m flussab, um letztlich über die Pionierbrücke zurück zur Donaustraße zu führen, um sich wieder mit der derzeitigen Trasse des Donauradweges zu vereinen.
Details dieser Unsinnigkeit: die Brücke muss entfernbar sein, weil ca. 6x pro Jahr bei nur geringfügig erhöhtem Wasserstand (nicht Hochwasser!) die Auslaufwehr des Strandbades bereits überflutet ist und Verklausungsgefahr (= Stau von Schwemmmaterial) besteht. Diese Strecke ist über mehrere Wochen im Jahr nicht passierbar! Im dortigen Areal leben Biber.
Und warum macht man das? In einem „Deal“ bietet die Austria Hydro Power AG den Bau dieser Trasse, den sie selbst für Einsatzfahrzeuge braucht, zur Mitbenutzung als Radweg. Wert dieser Investition: ca. € 150.000,-. Warum der „Deal“? Weil im Zuge des Baus des Greifensteiner Kraftwerks eine Reihe von Versäumnissen vorliegen, wie z.B. das Gängig-Machen des Durchstichs, dessen Einforderung inzwischen verjährt sein dürfte, man aber trotzdem eine Geste des guten Willens setzen möchte. Hätte man rechtzeitig agiert, wäre unsere Au nicht in einem so trostlos ausgedörrten Zustand.
Alternativen: Mehrzweckstreifen (= Markierungen des Radwegs auf der Fahrbahn) – in Wien und anderen Städten höchst erfolgreich praktiziert – auf der bestehenden Donaustraße. Die Kosten sind vernachlässigbar. Auch über den (oder entlang des) Parkplatzes Happyland lassen sich solche Mehrzweckstreifen realisieren.
Soweit die vor allem von schwarz/grün hochgejubelten Errungenschaften im Radwegenetz Klosterneuburg, die sich ausschließlich auf den Donauradweg beziehen.
Kein Grund zur Freude, weil etwas mindestens ebenso Wichtiges seit Jahren vernachlässigt wird, nämlich der innerstädtische Radverkehr.
Innerstädtisches Radfahren
Es liegt seit 2001 ein „Radverkehrskonzept Klosterneuburg“ des Instituts f. Verkehrswesens der Universität f. Bodenkultur von 2001 (Prof. DI Dr. Michael Meschik), das im Auftrag der Stadtgemeinde Klosterneuburg erarbeitet wurde in den Schubladen, ohne dass nennenswerte Umsetzungsaktivitäten erfolgt sind. Fokus dieses Konzepts ist der innerstädtische Fahrradverkehr, im Vordergrund steht die Alltags-, nicht die Freizeitnutzung. Die zu ergreifenden Maßnahmen können damit fast vollkommen unabhängig von Gestaltungsfragen des „Donauradweges“ oder der „Umfahrung“ erfolgen.
Dieses Konzept bietet ein flächendeckendes Netz für den Klosterneuburger Radfahrer.
Was sind die wesentlichen Elemente dieses Radverkehrskonzeptes:
Mischverkehr und Tempo 30 auf allen Gemeindestraßen außer Vorrangstraßen: Also eine allgemeine Verkehrsberuhigung, Reduktion von Schadstoffausstosses und Unfallgefahr. Der Radfahrer wird nahezu zum „gleichwertigen“ Verkehrsteilnehmer
Radfahrstreifen: eigene abgetrennte Fahrspur, überall dort, wo die verbleibende Fahrbahnbreite über 3m beträgt
Mehrzweckstreifen: abmarkierte Fahrspur, überall dort, wo die verbleibende Fahrbahnbreite weniger als 3m beträgt. Der Mehrzweckstreifen darf von breiten Fahrzeugen mitbenützt werden
Geh- und Radweg, sinnvoll ab verfügbarer Breite von 3m, weil dann friedliche Koexistenz zwischen Fußgängern und Radfahrern gesichert ist
Fahren gegen die Einbahn (Aufhebung der Einbahn für Radfahrer). Oft, aber „illegal“ geübte Praxis, die eigentlich sicherer ist als das Überholt werden des Radfahrers auf engen Straßen, weil Augenkontakt zwischen den Verkehrsteilnehmern möglich ist. Einbahnen sind in der Regel zum Wohle der Autos konzipiert, oder zur Schaffung von mehr Parkraum, und treffen Radfahrer besonders hart, wenn Umwege zu fahren wären.
Fahrradabstellanlagen – die sicher weniger Platz erfordern als ein Stellplatz für ein Kfz; Bike&Ride an Zustiegsstellen des öffentlichen Verkehrs
Markierungen, Routenhinweise, besondere Kennzeichnung der Querungen oder Einbindungen in den „normalen“ Verkehr
Und nicht zuletzt entsprechendes Marketing: Pläne, Leihräder etc. Wien ist mit enorm gutem Beispiel vorausgegangen und hat ein wirklich radfahrfreundliches Klima geschaffen und das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel etabliert.
Traurige Bilanz
Bei uns fehlt all das weitgehend. Es reicht eben nicht, bei einer nur kurzfristig angekündigten Aktion „Zweirad-Freirad“ mitzumachen, ohne jede Infrastruktur für RadfahrerInnen zur Verfügung zu stellen. Das sind Alibi-Aktionen, die dazu dienen zu beweisen, was alle immer schon gewusst haben: „es nützt alles nichts, das Fahrrad wird nicht angenommen“. Dem entgegenzuhalten sind die für jeden sichtbare Erfolge von Wien: Zählstelle Burgring 1 Mio Radfahrer pro Jahr. Das Rad ist dort als Ganzjahresfahrzeug salonfähig. Einer Reihe von Städten/Ländern ist es gelungen, durch konsequente Förderung des Radfahrens den Radverkehrsanteil radikal zu erhöhen (z.B. Salzburg: 18%, Vorarlberg 13%).
Warum ist Handlungsbedarf
Die hohe Feinstaubbelastung des Gemeindegebiets von Klosterneuburg macht es jedoch erforderlich, prioritär den modalen Split der Mobilitätsbedarfsdeckung der Klosterneuburger Bevölkerung zu verändern. Neben dem öffentlichen Verkehr und dem Zu-Fuß-Gehen ist dies vor allem durch vermehrten Einsatz des Fahrrades zu erreichen. Ein Großteil der zurückzulegenden Wege ist kürzer als 5 Km! Die Erhöhung der Attraktivität sanfter Mobilität hat Vorrang zu erhalten, wenn die ungebremste Zunahme des motorisierten Individualverkehrs nicht durch Zwangsmaßnahmen gegen AutofahrerInnen (Maßnahmenpläne zur Einhaltung von Luftschadstoffgrenzwerten) verringert werden soll.
Aus Kontaktgesprächen mit der Bevölkerung wird vor allem seitens der Bevölkerung des Kierling-/Hagentales und des Weidlingtales die Fertigstellung eines Radweges erwartet. Gesicherte Radwege zu den Schulen sind ein zentrales Anliegen der Eltern.
Maßnahmen im Einflussbereich der Stadtgemeinde
Eventuell aufgrund von Undurchführbarkeiten erforderliche Umplanungen des schubladisierten Konzepts sind derzeit kostenlos (!) beim Radwegekoordinator des Landes NÖ, DI Rennhofer, durchführbar (im Rahmen der Aktion Wienerwald-Rad). Immerhin ist zu erwarten, dass nach 4 Jahren Schublade nicht mehr alles dem heutigen Wissensstand entspricht.
Die Gesamtkosten (ohne ev. Grundablösen) der Umsetzung (Schätzung im Radverkehrskonzept auf Basis Einheitspreise 2000) sind sehr moderat (zw. € 200.000,- und € 400.000,-) verglichen mit dem erzielbaren Nutzen. Die Subventionierung solcher Infrastrukturmaßnahmen, die der Förderung von umweltschonender Mobilität dienen, als auch deren Bewerbung (bis zu 50%) werden durch „Verkehrssparen Wienerwald“, das Land NÖ, bzw. – direkt oder indirekt – durch die Einreichung eines EU-Projekts, ermöglicht.
Zur Erinnerung: demgegenüber werden allein für zwei sehr kurze Strecken des Donauradweges Mittel im Wert von €235.000,- verbraten!
Der PUK geht es besonders darum, den innerstädtischen Radverkehr zu fördern. Hätten wir unbegrenzt Budgetmittel, kann man von uns aus auch den Radweg um den Happyland-Parkplatz vergolden… Behauptungen aus Richtung des Spitzenmandatars der Grünen/BGU, die PUK wolle Radwegekonzepte verhindern sind so absurd, dass er das wohl selbst nicht glaubt.
Die PUK hat auch einen Dringlichkeitsantrag gestellt, mit dem Anliegen, das Radverkehrkonzept prioritär umzusetzen. Da dies bei der vorletzten GR-Sitzung am 20.5. von der Rathausmehrheit abgewiesen worden war, ist der Antrag bei der GR-Sitzung am 1.7. erneut eingebracht worden, diesmal als nicht zurückweisbarer „Minderheitsantrag“ (unterschrieben auch von SP und MIK). Zwischenzeitlich sind – hier sieht man wie politische Fairness in Klosterneuburg buchstabiert wird – seitens der Stadtgemeinde Verhandlungen mit den Grundeigentümern des Weingartens entlang der Pius-Parsch-Promenade und des ehem. Rehab-Zentrums in Kierling wegen Grundabtretungen aufgenommen worden. Also: es geht was weiter, aber es darf um Himmels Willen nicht so aussehen, als ginge die Initiative von der PUK aus.
Eine positive Signalwirkung ist zu erwarten, wenn endlich zügig vorgegangen wird.