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Vélorution

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Einige Detailinformationen zu Erfordernissen einer zügigen Entwicklung einer brauchbaren Infrastruktur für Alltagsradverkehr.

Eine Lanze brechen für etwas, was nicht mehr zeitgerecht ist? Wohl kaum, denn wenn ein Problem im Raum steht, dann ist es den Mobilitätsbedarf - also die Notwendigkeit von A nach B zu gelangen - so zu gestalten, dass die Erfüllung unserer Grundbedürfnisse nicht einhergeht mit der Zerstörung unseres Lebensraumes.

Anforderungen an Mobilität sind oft gar nicht an die Nutzung des Kfz gebunden, nur haben wir uns so sehr daran gewöhnt, dass wir es auch dort einsetzen, wo es alternative Möglichkeiten gibt, die unter dem Strich günstiger sind. Untersuchungen zeigen etwa, dass 50% der zurückgelegten Wege kürzer sind als 4 Km, 22% sogar kürzer als 2,5 Km sind. Auf diesen Strecken wird kein Kfz-Motor warm, die Zeit der Parkplatzsuche, der Stau machen die Nutzung des Kfz denkbar unattraktiv - von den Kosten ganz zu schweigen.

Besonders für solche kurze Strecken bietet sich das Rad als ideales Verkehrsmittel an: es ist schnell, sozial verträglich und kostengünstig. Die Zeichen der Zeit sind anderenorts bereits erkannt worden. In Dänemark wird etwa 6x mehr geradelt als in Österreich. In Salzburg werden 20% aller Wege mit dem Rad zurückgelegt. Wien will von 2003 bis 2010 den Radverkehrsanteil verdoppeln.

Na also - nix wie rauf aufs Rad?! Aber ganz so einfach ist es nicht, weil ohne gewisse Einrichtungen das Radfahren zum Spießrutenlauf werden kann. Damit eine radfreundliche Infrastruktur entsteht, sind neben einem Radwegenetz, also Trassen, Streifen, gesicherte Querungen usw. auch Zusatzeinrichtungen erforderlich, wie Abstellplätze, Bike&Ride-Anlagen, ein Leitsystem und Radwegekarten, Serviceeinrichtungen, ev. mit Leihrädern. Überall dort, wo ein Miteinander von Radfahrer und Fußgänger oder Radfahrer und Autofahrer unvermeidlich ist, sollte eine Entschärfung im Interesse aller erfolgen.

Priorität nur dem Auto einzuräumen ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn: die Kosten für eine Radfahrer-Infrastruktur sind wesentlich geringer als die für Kfz, sowohl beim rollenden als auch beim ruhenden Verkehr. Oft reicht es schon, eine Straße zur 30er-Zone zu erklären, um den Verkehrsweg auch für Radler attraktiv zu machen. Das Kostenargument gilt nicht nur für die Gemeinde, sondern auch für den einzelnen, der die Kosten seiner Mobilität zu tragen hat. Darüber hinaus besitzen lt. einer Studie 68% der ÖsterreicherInnen ein Rad, das allerdings überwiegend dem Freizeitbedarf dient.

Einige wesentliche Prinzipien sollten beachtet werden. An erster Stelle die Chancengleichheit für alle Verkehrsteilnehmer im öffentlichen Raum. Dazu zählen selbstverständlich auch Sicherheitsaspekte. Die Erreichbarkeit aller wichtigen Zonen und kommunalen Einrichtungen sollte für alle Mobilitätsarten gewährleistet sein, was den Lückenschluss zwischen einer Reihe von punktuell vorhandenen Einrichtungen erforderlich macht. Es besteht daher Handlungsbedarf für die Gemeinde. Beispiele zeigen, dass wo immer auch etwas für das Radfahren getan wird, es verstärkt stattfindet. Die Stadt-Freundlichkeit des Rades durch seinen geringen Platzbedarf hebt die Lebensqualität der Zentren bedeutend.

Mit positiven Folgen für unsere Umwelt: bereits jetzt ersparen Radfahrer der Atmosphäre 240000 Tonnen CO2, 53 Tonnen Feinstaub, 455 Tonnen Stickoxide und jede Menge Lärm. Der verbleibende nötige bzw. unvermeidbare motorisierte Verkehr wird flüssiger und weniger belastend für die Umwelt. Die Verringerung des Staupotenzials kommt auch den RadfahrerInnen zugute, wenn sie doch einmal das Kfz brauchen.

Auch die direkten Wirkungen auf die Gesundheit des einzelnen sind erwähnenswert: Bewegungsmangel ist in unserer Gesellschaft inzwischen chronisch, begleitet von Herz-Kreislaufbeschwerden, Bluthochdruck und Antriebslosigkeit. Eine halbe Stunde Bewegung täglich verringert das Risiko eines Herzinfarktes um 50% und erhöht die Lebenserwartung um ein bis zwei Jahre! Auch den Spassfaktor des Radfahrens sollte man nicht vergessen!

In Anbetracht all dessen ist Radfahren inzwischen wieder salonfähig geworden. Es gibt unzählige Förderprogramme seitens des Landes und des Bundes zur Errichtung und zum Betreiben eines Radnetzes. Beratungen werden angeboten, Aktionen mit klingenden Namen durchgeführt (z.B. "Aktion Alltagsradeln", "Fahrradfreundliche Gemeinde"), die nicht zuletzt auch das Image der Gemeinde heben.


Als überzeugter Radfahrer sage ich: Vive la Vélorution!!!

Last modified 2007-05-26 09:13 PM
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