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Plattform Unser Klosterneuburg

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Reaktion auf Pröll-Brief von LK (Name der Redaktion bekannt)

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Klosterneuburg, 08.09.2006

 

 

 

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!

 

Ich habe nach meinem Urlaub Ihren Brief an die Klosterneuburger Familien vorgefunden, war nach dem Durchlesen ziemlich verärgert und möchte Ihnen gerne die Gründe für meinen Unmut nahebringen.

 

Zuallererst finde ich es wirklich verzichtbar, Steuergelder für solche Massenbriefsendungen auszugeben, weil mit Information hat dieser Brief aus meiner Sicht nichts zu tun. Die Zahlen sprechen eher für Desinformation oder Irrtum??

 

Dass die Bauten für die „Umfahrung??!“ vergeben wurden und beginnen, ist nicht zu über­se­hen. Wir werden also nach dem vergangenen Staujahr, als die Heiligenstädter Strasse in Wien ein halbes Jahr lang auf eine Spur verengt war, diesmal mehrere Jahre Stau „genies­sen“. Und obwohl das vergangene Jahr gezeigt hat, dass die Heiligstädter Strasse für mehr Verkehr nicht mehr aufnahmefähig ist, und der Wegfall einer Spur ein tägliches Stauchaos mit einem Zeitverlust von 20 – 30 Minuten verursacht, wird nach Fertigstellung des Prestige­projektes „Umfahrung??!“ noch mehr Verkehr durch Klosterneuburg Richtung Wien rollen.

 

Sie schreiben von verkehrstechnisch sinnvollen und ökologisch verträglichen Lösungen. Was ist an dieser Lösung verkehrstechnisch sinnvoll?? Tatsache ist, dass alle, die diese „Umfah­rung??!“ nutzen, nach wenigen Kilometern ein einspuriges Straßenstück mit Gegenver­kehrs­regelung passieren müssen.

 

Das bringt mich gleich zu nächsten Punkt: Soviel Geld des Landes in ein so kurzes Straßen­stück zu verbauen, kann ja nicht der Torheit letzter Schluss sein. Ich gehe also davon aus, dass die Engstellen in Kritzendorf und an einzelnen weiteren Stellen beseitigt werden müs­sen. Das heißt für mich, dass die „Umfahrung??!“ in absehbarer Zukunft weiter durch Augebiet oder vielleicht gar durch Wohngebiet?? verlängert werden wird. Damit wäre dann die Schneise aus dem Tullnerfeld durch dichtest besiedeltes Klosterneuburger Stadtgebiet geschlagen. Was ist dann bitte ökologisch verträglich???

 

Dasselbe gilt für das Kierlingtal. Der Schachzug, zuerst die kurze „Umfahrung??!“ zu bau­en und dann zu argumentieren, dass aufgrund der absehbaren neuen Staus an anderen Stellen weitere Schneisen notwendig sind, ist für mich die fragwürdigste Vorgangsweise. Ich gehe also weiter davon aus, dass Martinstunnel und Donaubrücke die nächsten Optionen sind, wie ja schon in den Medien mit den entsprechenden geplanten Routen zu sehen war. Und dass damit nach diesen Maßnahmen der Verkehr auch im Kierlingtal massiv verstärkt wird, weil die besten Köpfe müssen einfach schnell in die geplante Eliteschmiede Gugging.

 

Die Anrainer der Strasse durch Kritzendorf, Höflein, St. Andrä-Wördern und des gesamten Kierlingtales freuen sich schon auf die „Verbesserung“ ihrer Lebensqualität durch die Erhöhung des Verkehrs und besonders die „mautflüchtigen“ LKWs. Ausserdem werden es Ihnen sicherlich alle in diesen Ortsteilen danken, wenn durch die mit Sicherheit zu erwar­tende stark erhöhte Verkehrs- und Lärmbelastung die Grundstücke, die oft um sehr teures Geld gekauft wurden, an Wert erheblich verlieren!

 

Eine weitere „Erhöhung der Lebensqualität“ wird alle Klosterneuburger betreffen, die auf dem Stadtplatz einkaufen. Es wird sicherlich vielen der dort ansässigen Geschäfte die Lebens­grund­lage entzogen werden. Durch das Ruinieren dieser Geschäfte wird die Nahversorgung in Klosterneuburg weiter einbrechen. Aber wir haben ja dann eine Strasse über die wir schnell nach Wien in die großen Einkaufszentren fahren können. Ein wahrer Beitrag zur „Erhöhung der Lebensqualität“ auch der Gewerbetreibenden. Wien wird sich über die ohne jeden Werbeaufwand erworbenen zusätzlichen Käuferschichten freuen.

 

Gespannt bin ich schon auf den Lärmschutz an Bahn und Straße, den Sie erwähnen. Wie hoch werden die Lärmschutzwände? Sieht sicher sehr ansprechend aus, wenn gegenüber des Stiftes eine Art „Chinesische Mauer“ entsteht.

 

Dass Sie sich für meine Unterstützung des Projektes bedanken, hat mich am meisten verblüfft. Ich bin – wie viele andere Klosterneuburger – gegen dieses Projekt. Aber die Bür­ger wurden von den Proponenten im Gemeinderat gefließentlich übergangen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass nordwestlich von Wien beide Donauufer ausschließlich für die Individualverkehrslawine freigegeben werden. Und dass die zweite Strecke, die jetzt begon­nen wird, keine Umfahrung wird, sondern eine Schneise durch eine Stadt mit bisher recht hoher Lebensqualität.

 

Verblüffend ist für mich auch, dass Sie das Ergebnis der letzten Gemeinderatswahl nicht nachdenklich gestimmt hat. Wenn eine Bürgerinitiative, eine Handvoll Leute mit geringsten Mitteln und „handgestrickter“ Kampagne, aus dem Stand zwei Mandate gewinnt und es zum Ver­lust der jahrzehntelangen absoluten Mehrheit Ihrer Parteifreunde kommt, dann könnte man bei etwas „politischer Feinfühligkeit“ daraus ableiten, dass bei weitem nicht alle  Kloster­neu­burger von den Vorteilen der Politik der ÖVP in Klosterneuburg und der „Umfah­rung??!“ so überzeugt sind, wie man Ihnen offensichtlich glauben macht.

 

Ich habe Ihren Brief nicht – meiner ersten Regung folgend – verärgert mit dem Altpapier entsorgt, sondern zum Anlass genommen, Ihnen meine Sicht als betroffene Bürgerin näherzubringen und abschließend an Sie zu appellieren: Auch wenn schon viel Geld in die Vorarbeiten geflossen ist, stoppen Sie das Projekt und lassen Sie nur die Variante zur besseren Zufahrt in das Gewerbegebiet verwirklichen. 

 

Mit sehr betroffenen Grüßen


LK


Last modified 2006-09-11 11:14 AM
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