Ex-Verkehrsstadt- und Gemeinderat Mag. Werner Schmidt verzichtet auf Ehrenring
Mag. Werner Schmidt
Am Ölberg 168
3400 Klosterneuburg
An den
Bürgermeister der
Stadt Klosterneuburg
Dr. Gottfried Schuh
Rathaus
3400 Klosterneuburg
Klosterneuburg, 11. Oktober 2005
Betreff: Verzicht auf die Verleihung des Stadtringes und die Ehrung durch den Gemeinderat
Sehr geehrter Herr Bürgermeister
Ich habe Ihr Schreiben vom 3. Oktober
2005 erhalten und darf mitteilen, daß ich sowohl auf den
Stadtring als auch auf meine Ehrung aus diesem Anlaß im Rahmen
der Festsitzung des Gemeinderates am 7. November 2005 verzichte und
demzufolge auch nicht zur Festgemeinderatssitzung erscheinen werde.
Meine Verdienste um die Stadt Klosterneuburg wurden von Ihnen, Herr Bürgermeister, in den 16 Jahren, die ich dem Gemeinderat angehörte, nicht sehr gewürdigt. Die Würdigung durch Sie, Herr Bürgermeister, bei dieser Festsitzung, würde für mich daher keinen würdigen Anlaß darstellen. Darüber hinaus ist diese Ehrung reine Routine, ob sich nun der Mandatar, bzw. Mandatarin sehr für die Stadt und die Gemeinde engagiert hat oder diese Tätigkeit nur als günstige Möglichkeit sah, ohne viel Aufwand das Salär aufzubessern. Bei der Bürgerunion war dies ja nicht möglich, da die Einkünfte aus der politischen Tätigkeit dem Gemeinderatsclub zuflossen.
Eine Würdigung meiner Verdienste durch Sie, Herr Bürgermeister, bzw. durch den Gemeinderat, der mit überwältigender Mehrheit für die Umfahrung, bzw. den Tunnel und die Donaubrücke eintritt, würde mir großes Unbehagen bereiten.
Wie Sie ja wissen, habe ich von Anfang an das Projekt Umfahrung und Tunnel und Donaubrücke massiv bekämpft. Sie und der Gemeinderat waren nicht bereit, die zahllosen wissenschaftlich fundierten Mobilitätsszenarien, die ich Ihnen und dem Gemeinderat vorgelegt habe, auch nur ansatzweise zu diskutieren. Statt dessen halten Sie und die Mehrheit des Gemeinderates an der gesundheitsgefährdenden, klimaschädigenden Automobilität fest und das trotz des, auch von Österreich unterzeichneten, völkerrechtlich verbindlichen Kyoto - Vertrages!!
Gebetsmühlenartig habe ich angeführt, daß Straßenbau im Ballungsraum wirkungslos ist und Fahrzeitgewinne nicht mehr zu erzielen sind (Österr. Institut für Raumplanung). Angebot schafft Nachfrage oder wer Straßen sät, wird Autoverkehr ernten - die Quintessenz in den vielen Veröffentlichungen der Institute für Verkehrswesen an der BOKU - Prof. Sammer oder Prof. Knoflacher TU Wien oder in den zahllosen wissenschaftlichen Publikationen des VCÖ oder neuerdings in der Studie des Umweltbundesamtes 2005, in der es heißt, daß etwa 15 - 20% des Autoverkehrswachstums auf den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zurückzuführen ist, usw., usw.
Natürlich werden Sie dagegen
halten, daß Sie sich auf Studien stützen, die den
Straßenbau im Ballungsraum als die Lösung für
die innerstädtischen Verkehrsprobleme darstellen. Diese
verfehlte und überholte Verkehrspolitik wird nun schon seit 40
Jahren betrieben, ohne daß es zu einer Verminderung des
Autoverkehrs gekommen wäre, kein wunder, stammen doch diese
Studien durchwegs nicht von unabhängigen Institutionen oder
Universitätsinstituten, sondern von der Straßenbau- und
Autolobby.
Diese verkehrte Verkehrspolitik, die
einzig auf die Verlagerung des Autoverkehrs statt auf die
Verminderung ausgerichtet war und ist, führte zu
schwerwiegenden Versäumnissen und zu negativen Auswirkungen
auf die Lebensqualität dieser Stadt. Mit dem Hinweis auf
die kommende Umfahrung haben Sie, Herr Bürgermeister,
wesentlich dazu beigetragen, daß in den letzten 13 Jahren alle
zukunftsweisenden Verkehrsplanungen und Konzepte, die zumeist
von der BGU initiiert wurden, fast vollständig in den
Schreibtischladen verschwunden sind, so z. B. Verkehrskonzept
Klosterneuburg 1991/92 von Univ. Prof. Sammer und Dipl. Ing. Dr.
Röschl um S 780 000.-!, verschiedene Planungen von
Dipl. Ing. Kiener zum Umbau des Stadtplatzes 1992/93 (im Budget 1994
waren dafür S 4,8 Mio veranschlagt, doch aus Angst vor dem
Murren einiger Geschäftsleute haben Sie den Umbau verhindert),
Konzept 1999 - öffentlicher Verkehr in Klosterneuburg im Auftrag
des VOR von Dipl. Ing. Dr. Sepp Snizek, Verkehrsplanung
Klosterneuburg Kierling 1999, Internationales Praktikum, Herausgeber
Univ. Prof. Dr. Sammer, Radverkehrskonzept Klosterneuburg von Prof.
Dipl. Ing. Dr. Meschik 2001 um S 240 000.-! Der Umbau des
Stadtplatzes war in allen Planungen die vordringlichste
Maßnahme!! Bis heute gibt es keine Erleichterungen für
querende Fußgänger zwischen Niedermarkt und
Albrechtstraße. Den Umbau des Stadtplatzes 13 Jahre lang zu
blockieren ist schon ein "besonderes Verdienst" der Ära
Schuh. Die Aus- und Einparkvorgänge am Stadtplatz in den
Verkehrsspitzen führen zu umfangreichen Staus und entwerten den
Platz völlig. Bei freien Parkplätzen im Parkdeck und auch
beim Park und Ride - Platz beim Kierlinger Bahnhof hätten Sie es
in der Hand gehabt, Herr Bürgermeister, den Stadtplatz ähnlich
wie den Niedermarkt beim Eisvogel trotz Durchzugsverkehr zu
einem attraktiven urbanen Zentrum zu machen und den Stau durch
Klosterneuburg auch ohne Umfahrung deutlich zu verringern. Durch den
Bau von Straßen kommt es, wie das Umweltbundesamt in seiner
Studie weiters nachweist, zur Verlagerung zwischen den
Verkehrsträgern, in erster Linie zu PKW und LKW.
Sind das die verkehrspolitischen Zielsetzungen für die Modellstadt Klosterneuburg 2020, die Sie so wortreich bei der vorletzten Festgemeinderatssitzung gepriesen haben, Herr Bürgermeister, angesichts der Überlastung des Straßennetzes in Wien, einer damit einhergehenden Ausweitung der Kurzparkzonen in Wien, einer möglichen Citymaut und immer höher werdender Benzinpreise? Bei derartigen Mobilitätsszenarien noch immer auf den Straßenbau zu setzten, halte ich im höchsten Maße kurzsichtig und verantwortungslos. Es ist abzusehen, Herr Bürgermeister, dass Wienpendler vermehrt auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen werden müssen. Die öffentlichen Verkehrsmittel werden diesen Ansturm dann nicht bewältigen können, doch das Geld für eine massive Kapazitätsausweitung der Öffis liegt dann in der Umfahrungsstraße vergraben. Ein gelangweilter Gesichtsausdruck, ein mitleidiges Lächeln oder ein beständiges Drängen, endlich die Wortmeldungen zu beenden, wenn ich derartige alternative Verkehrskonzepte dem Gemeinderat zur Kenntnis bringen wollte bekundeten deutlich Ihr Desinteresse an derartig zukunftsweisenden Fragen. Dafür mußten die Mandatare oft bis zu einer halben Stunde die Ausführungen von Stadtrat Hofbauer über sich ergehen lassen, der in seiner Wortmeldung überhaupt nicht zur Sache sprach, der häufig sogar drei bis vier Mal nicht zur Sache sprach, persönliche Differenzen mit anderen Mandataren breittrat, ohne daß Sie Ihre Aufgabe als Sitzungspolizei wahrgenommen und den Redner zur Ordnung gerufen hätten oder ihm das Wort entzogen hätten. Ein Schreiben an Sie, diesen Mißstand abzustellen, habe ich schon 1999 an Sie gerichtet, jedoch ohne Erfolg. Ende der letzten Gemeinderatsperiode nahmen dann die Hofbauerschen Monologe immer mehr zu, die auch in persönlichen Angriffen gegen Sie, Herr Bürgermeister, ausarteten, was ja dann offensichtlich zum Ende der Zusammenarbeit mit der SPÖ führte. Doch auch im neuen Gemeinderat geht es in gleicher Weise munter weiter.
Die Ausführungen über die Modellstadt 2020 sind wieder einmal nur leere Worthülsen. Von einer vorausschauenden, weitblickenden, nachhaltigen und verantwortungsbewußten Verkehrspolitik sind Sie, Herr Bürgermeister, und der weitaus größte Teil des Gemeinderates meilenweit entfernt.
Eine Ehrung durch Sie, Herr Bürgermeister, und dem jetzigen Gemeinderat ist für mich daher keine Ehre. Die Gründe für den Verzicht auf Stadtring und Ehrung habe ich hiermit ausführlich dargelegt.
Hochachtungsvoll
Mag. Werner Schmidt
PS: Da der goldene Ehrenring einen
durchaus ansehnlichen Wert hat, ersuche ich, diesen Betrag Greenpeace
auf das Konto bei der PSK, Nr.7707100, Bankleitzahl 60 000,
einzuzahlen. Greenpeace hat die Feinstaubproblematik vermehrt in die
Medien gebracht und durch die Messungen mit der mobilen Meßstelle
in Klosterneuburg bewirkt, daß nun in Klosterneuburg eine
Meßstelle, auch für Feinstaub, in der Nähe der B 14,
in der Berchtesgadenerhofgasse aufgestellt wurde.