Reaktion auf Pröll-Brief von Christine Ivanka
Christine Ivanka dzt.
Lichtenau, 4. August 2006
3400 Klosterneuburg,
Wasserzeile 15
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann !
Auf Ihren Brief an alle Klosterneuburger möchte ich Ihnen antworten.
Ich bin Mutter von 4 Kindern und deshalb beobachtete ich die Entwicklung des "Umfahrungsprojektes" schon lange. Es war für mich eine schwere Enttäuschung, dass auch Sie uns Sand in die Augen streuen wollen und falsche Behauptungen aufstellen, dass sich für uns durch das Straßenprojekt etwas verbessern sollte. So wie wir, wissen auch Sie, dass es sich um keine Umfahrungsstraße handelt, sondern es entsteht die Nord-West Autobahnspange um Wien, mit anschließender Brücke nach Korneuburg, Martinstunnel und Folgeprojekten im Naherholungsgebiet einer Stadt, die noch dazu an eine Großstadt angrenzt und für die Bürger mit einer enormen gesundheitlichen Belastung verbunden sein wird. Es ist auch Ihnen bekannt, dass die Sommer immer heißer werden, damit die Ozonbelastung immer mehr steigen wird, ebenso wie die Feinstaubbelastung, die in Klosterneuburg jetzt schon gesundheitsschädlich ist usw. und damit will man Kinder noch weiter belasten und bewusst Gefahren aussetzen.
Sie sind doch ein Politiker einer christlichen Partei. Was bedeutet Ihnen die Gesundheit der Bevölkerung und vor allem der schützenswerten Kinder? Meinen Sie, dass die Kinder dann am Rande der Autobahn den Spielplatz frequentieren sollen, den giftigen Feinstaub damit direkt inhalieren und sehr jung an chronischen Atemswegerkrankungen leiden? Ist das Ihre Auffassung von bürgernaher Politik?
Ich bin ebenso verwundert, wenn ich in der Zeitung lese, dass die NÖ Landesregierung für die Sanierung des March-Dammes eine Umweltverträglichkeitsprüfung einholen musste, die sich über Jahre hinzog, während hier das Land (und das haben Sie persönlich zu verantworten!) bei der Zerstörung eines Natura 2000 Gebietes im Naherholungsraum von Klosterneuburg und Wien, die Einholung dieser Begutachtung hintertrieben hat. Wie reimt sich das?
Tief betroffen und enttäuscht hat mich Ihre Politik, die weit davon entfernt scheint die eines "Landesvaters" zu sein, denn kein Vater setzt seine "Familie" der gesundheitlichen Schädigung aus. Sie dürfen auch nicht mit dem Argument kommen, dass die Straßen gebraucht werden, weil es die Wirtschaft so will und Arbeitsplätze "schafft", Alle Politiker wissen, dass man mit dem vielen Geld für den Straßenbau, von den Nachfolgekosten und der Erhaltung ganz zu schweigen, und der unwiederbringlichen Zerstörung der Lebensräume und den Kosten die durch diese Folgen entstehenden gesundheitlichen Schädigungen, den öffentlichen Verkehr attraktiver und billiger machen kann. Die Politik beugt sich vor den Konzernen - freier Handel, freier Verkehr - und zerstört alles was das Leben lebenswert macht.
Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch eine Aussage meiner sechsjährigen Tochter zur Kenntnis bringen, um Ihnen vielleicht die Augen zu öffnen wie sehr sich schon die Kinder vor der Belastung und der Zerstörung des Lebensraumes fürchten. Das kleine Mädchen äußerte sich im Zwist mit ihrem Bruder: "Du bist wie der Landeshauptmann mit dem Teufel verbunden, der sekkiert und quält uns mit der Straße auch so!".
Vielleicht ist es Ihnen doch noch möglich, über Ihren Schatten zu springen und wie beim Semmering-Basis Tunnel noch einmal alles zu "überschlafen" und uns und unseren Kindern nicht die Zukunft zu "verbauen".
Mit vorzüglicher Hochachtung