Leserbrief zu tendenziösem ÖAMTC-Artikel („auto touring 10/2005“)
Gezielte Desinformation
In Ihrer Mitgliederzeitschrift „auto touring 10/2005“ schreiben Sie über die Klosterneuburger Umfahrung. Diese Artikel zeugen keinesfalls vom Berufsethos eines Journalisten, der Wahrheit entsprechend zu informieren. Beispiele:
„Die Projektkosten sollen bei € 60 Mio. liegen.“ Fakt sind Kosten von € 70 Mio. Bei einer Gesamtlänge von 3,6 km kosten 1 km rund € 20 Mio. Dies entspricht den Errichtungskosten einer Autobahn in extrem schwierigem Gelände.
Die „Umfahrungsgegner haben erkannt, dass man mit Straßen-Verhinderung keine Wahlen gewinnt.“ Bei den letzten Gemeinderatswahlen verzeichneten die Umfahrungsbefürworter ein sattes Minus von –7,8%, die Gegner dagegen steigerten mit einem Plus von +7,4% den Stimmenanteil um mehr als 70%.
„Der Stadtplatz soll durch das Projekt vom nahezu permanenten Stau befreit werden.“ Dies ist in Bezug auf die Verkehrsspitzen des Tages korrekt. Verschwiegen wird, dass lt. verkehrstechnischem Gutachten der NÖ-Landesregierung innerhalb kürzester Zeit an anderer Stelle deutliche Rückstauerscheinungen zu erwarten sind.
„Die Niederösterreicher müssen sich ihre Umfahrung selber zahlen, da die Bundesstraße zur Landesstraße geworden ist.“ Dies ist völlig korrekt. Hintergrund dazu: damit wird die Umweltverträglichkeitsprüfung umgangen und Bürgerrechte massiv beschnitten.
Letztlich wird vom „Zweit-Nutzen eines Hochwasserschutzes“ geschrieben. Diesem Punkt widersprechen 2 Argumente: Der natürliche Schutzwall des Bahndammes wird in Weidling durch eine Unterführung, das sogenannte "Rattenloch", unterbrochen. Mit dem im Umfahrungsprojekt geplanten Kreisverkehr an dieser Stelle würde das Rattenloch um ein vielfaches zu einem Mammutloch vergrößert und der Hochwasserschutz massiv untergraben. Außerdem ist dieses Projekt lediglich für ein 30-jähriges Hochwasser ausgerichtet. Allein in den letzten 5 Jahren wäre damit bereits 2 Mal das Hochwasser in die Stadt vorgedrungen. Zur Information noch: Projekte dieser Größenordnung werden üblicherweise für ein 100-jähriges Hochwasser ausgelegt. Die in diesem Zusammenhang getätigte Aussage „eines umfangreichen Ökoprojektes“ muss wohl nicht weiter kommentiert werden.
Gerhard Allgäuer
3400 Klosterneuburg