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Reaktion auf Pröll-Brief von Prof. Clemens Höslinger

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Sehr geehrter Herr Landeshauptmann,

Ich bestätige mit Dank den Erhalt Ihres an mich persönlich gerichteten Briefs zum Thema „Umfahrung in Klosterneuburg“. Leider muß ich daraus entnehmen, daß Sie über wichtige Einzelheiten des Projekts nicht richtig informiert sind. Allein die Bezeichnung „Umfahrung“ ist eine glatte Irreführung. Jeder weiß, was unter einer Umfahrung zu verstehen ist, nämlich eine Vorbeiführung des Hauptverkehrs am Ort mit dem Ziel der Verkehrs-Entlastung, wie dies in vielen Städten Österreichs mit Erfolg praktiziert wurde. Davon kann beim Klosterneuburger Projekt keine Rede sein, denn der Plan läuft dahin hinaus, daß die B 14 (Wienerstraße) eine Abzweigung erhält, die auf langer Strecke parallel zur Hauptverkehrsader verläuft. Das bedeutet Verkehrs-Verdoppelung, nicht Entlastung.

Die Vorarbeiten zu den diversen Umbauten, die bereits seit Frühjahr im Gange sind, zeigen vor allem eines: daß eine ganze Wohnregion, nämlich entlang der Wienerstraße und der Bahn in Geiselhaft genommen wird: durch erhöhten Baulärm, durch zunehmende Luftverschmutzung, Vekehrsbehinderung, Beeinträchtigung der Wohnqualität, der Gesundheit (steigende Feinstaub- und Ozonwerte) und nicht zuletzt Wertverminderung der Liegenschaften, für die von den Eigentümern nicht unbeträchtliche Gebühren entrichtet werden. Es grenzt an Zynismus, daß die Bewohner dieser Region einzig und allein die negativen Seiten des Projekts zu spüren bekommen und nichts von den angeblichen Segnungen der geplanten „Umfahrung“. Daß außerdem die Verkehrslawine in nächster Zeit beträchtlich ansteigen wird, beweisen Vorhaben wie die Gugginger Uni, sowie die sich geradezu gigantisch entwickelnde Bautätigkeit in Klosterneuburg (neue Reihenhäuser, Baumärkte usw.) Die Leidtragenden sind wiederum die Bewohner der genannten Region.

Was speziell die Situation der Johann-Straußgasse betrifft, die seit jeher durch die Nähe der Bahn und der Hauptstraße gleichsam „zum Handkuß“ kommt: die Errichtung der Schallschutzmauer hat nicht die mindeste Entlastung gebracht, da der Hauptlärm von den Tag und Nacht vorüberdonnernden Zügen erzeugt wird. Vor einigen Jahren hat ein stadtbekannter Baulöwe zwecks Erweiterung seines Mega-Baumarktes eine hoch aufragende Wand errichten lassen, die seither das Dröhnen der Lastzüge (oft mit bis zu 40 Waggons besetzt) multipliziert und wie durch eine Verstärkeranlage bis hinauf in die höchst gelegenen Wohngegenden projiziert - übrigens unter Umgehung jeglicher Schallschutz-Vorschriften. Durch die neuen Bauarbeiten sind die Bewohner vermutlich auf Jahre gezwungen, ihre Einkaufswege unter Lebensgefahr zu verrichten, da alles durch Baumaschinen, Kräne usw. blockiert ist. Es läuft also alles auf eine gewaltige Potenzierung aller bisherigen Übelstände hinaus.

Diese und andere weit zurückreichenden Vorgänge zeigen an, daß auf Anliegen der Bewohner keine Rücksicht genommen wird. Auch in der ganzen sogenannten Umfahrungs-Angelegenheit wurde auf jede Kontaktnahme mit den Bürgern verzichtet und rein dikatatorisch entschieden.

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, Sie ersuchen in Ihrem Schreiben um weitere Unterstützung (wieso eigentlich „weitere“?) des Klosterneuburger Vorhabens. Davon kann selbstverständlich nicht die Rede sein, ich richte vielmehr an Sie die Frage: wie soll ich ein Projekt unterstützen, das nur Unglück über unseren Wohnbezirk bringt, in dem viele Kinder und ältere Leute wohnen, ein Projekt, das aller Voraussicht nach völlig sinnlos ist und das angestrebte Ziel einer Verkehrsentlastung niemals erreichen kann und dessen einziges „Resultat“ in Wahnsinnskosten und Zerstörung von Natur und Stadtbild besteht.

Feststellen möchte ich noch, daß ich prinzipiell für eine Regulierung des prekären Verkehrsproblems in Klosterneuburg bin und auch den Verkehrsanschluß an das Industrieviertel für notwendig erachte. Daß daran erst jetzt gearbeitet wird und die angestrebten Lösungen die ungünstigsten aller Varianten darstellen, läßt deutlich erkennen, mit welcher Ignoranz, Planlosigkeit und Unfähigkeit die Klosterneuburger Stadtverwaltung in dieser Angelegenheit verfährt, und dies seit vielen Jahren.

Mit den besten Grüßen

Clemens Höslinger

Last modified 2006-07-21 12:25 PM
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