Skip to content

Plattform Unser Klosterneuburg

PLATTFORM UNSER KLOSTERNEUBURG

Reaktion auf Pröll-Brief von Walter und Helga Potucek

Document Actions

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!

Ich habe Ihr, an meine Familie gerichtetes Schreiben erhalten, in dem Sie den Beginn der Bauarbeiten an der Umfahrung Klosterneuburg ankündigen. Leider unterscheiden sich die Daten, die mir zu diesem Projekt vorliegen, von denen, die Ihnen offenbar als Grundlage zu Ihrem Schreiben mitgeteilt wurden. Ich bitte daher zu verstehen, dass dieses Projekt bei mir, wie bei vielen anderen Klosterneuburger Familien, eher Ärger als Freude hervorruft, zumal in der Vergangenheit zwar Präsentationen des Projektes stattgefunden haben, aber keine gemeinsame Erarbeitung von Lösungen im Sinne von ernsthafter Berücksichtigung und Untersuchung von Änderungsvorschlägen angeboten wurde.

Zunächst erstaunt die Bezeichnung „Umfahrung Klosterneuburg“, da das Projekt im verbauten Gebiet von Klosterneuburg beginnt und im verbauten Gebiet von Klosterneuburg endet, während man von einer echten Umfahrung erwarten würde, dass sie den Verkehr vom verbauten Gebiet tatsächlich fernhält. In Wirklichkeit umfährt die geplante neue Straße nur einen geringen Teil des Stadtgebietes. Sie betrifft zudem nur den Verkehr nach Kritzendorf, da, von Wien kommend, keine Möglichkeit besteht, über die geplante neue Straße nach Kierling und weiter nach Gugging (Elite-Universität) zu fahren.

Nach den mir vorliegenden Projektsdaten, wie sie der behördlichen Genehmigung zugrunde gelegen sind, verkehren am Stadtplatz derzeit täglich ca. 23.000 Fahrzeuge, von denen ca. 6000 die so genannte Umfahrung benützen würden. Eine Entlastung des Stadtzentrums, von dem tatsächlich im wesentlichen nur der Stadtplatz und der anschließende Bereich der L 118 betroffen sind, betrifft daher nur einen Teil des derzeitigen Verkehrs, nämlich die genannten 6000 Fahrzeuge täglich, keinesfalls aber 25.000 Fahrzeuge täglich, wie Ihnen mitgeteilt wurde.

Vielmehr werden am Stadtplatz nach Errichtung der „Umfahrung“ weiterhin ca. 17000 Fahrzeuge täglich fahren. Ich sehe daher in diesem Bereich keinerlei Verbesserung der Lebensqualität. Außerdem ist zu befürchten, dass die Verkehrsabnahme am Stadtplatz viele Pendler, die derzeit die Bahn benützen, zu einem Umsteigen auf das Auto bewegen wird, wodurch auch die geringe Entlastung sehr bald wieder zunichte gemacht werden wird und zusätzliche Belastungen in den angrenzenden Gebieten entstehen werden. Eine diesbezügliche Verkehrsuntersuchung unter Einbeziehung des Bahnverkehrs wurde offenbar wohlweislich nicht durchgeführt, da damit der Widerspruch zum Niederösterreichischen Verkehrskonzept offenbar geworden wäre.

Das Projekt ist nach den mir bekannten Informationen für ein 30-jährliches Hochwasser ausgelegt, von einem zusätzlichen Hochwasserschutz für Klosterneuburg ist mir nichts bekannt. Im Gegensatz zu anderen Infrastrukturprojekten dieser Größenordnung, die üblicherweise für ein 100-jährliches Hochwasser dimensioniert sind, ist mit Überflutungen der neuen Straße in relativ kurzen Zeiträumen zu rechnen, die auch beträchtliche Folgekosten und längere Verkehrsbehinderungen verursachen werden (z.B. zufolge Schlammräumung). Zudem kann bei einem Schutz gegen ein 30-jährliches Hochwasser nur von einem sehr bescheidenen Hochwasserschutz gesprochen werden. Im Vergleich dazu ist Wien gegen ein 1000-jährliches Hochwasser geschützt.

Der Durchstich (Klosterneuburger Gerinne) wurde meines Wissens im Zuge der Donauregulierung vor ca. 150 Jahren in seiner jetzigen Form errichtet und hat im Laufe der Zeit einen sehr naturnahen Bewuchs der Uferböschungen entwickelt. Der geplante Straßenneubau ermöglicht nun keinesfalls einen naturnahen Rückbau des Durchstiches, der wohl den gesamten Durchstich betreffen müsste, sondern erfordert bloß örtliche Verlegungen, denen wertvoller, vorhandener naturnaher Bewuchs der Au geopfert werden muss.

Der einzige, tatsächlich nachvollziehbare Nutzen des geplanten Straßenneubaues ist die Anbindung des Gewerbegebietes, die allerdings mit weitaus geringeren Kosten an anderer Stelle schon längst hätte errichtet werden müssen.

Zusammenfassend darf ich feststellen, dass nach den mir bekannten Projektsdaten der Nutzen des geplanten Straßenneubaues nur in einer Verlagerung von ca. 6000 Fahrzeugen täglich und der Anbindung des Gewerbegebietes besteht, wofür die aufzuwendenden Kosten von 75 Mio € bei
3,6 km Straßenneubau extrem hoch sind und nicht gerechtfertigt erscheinen.

Ich bitte Sie daher, sehr geehrter Herr Landeshauptmann, das Projekt, das die von Ihnen erwarteten Anforderungen, wie sie aus Ihrem Schreiben hervorgehen, offenbar nicht erfüllt, zu stoppen, um die Klosterneuburger Verkehrsprobleme tatsächlich gemeinsam lösen zu können.


Mit vorzüglicher Hochachtung

Walter und Helga Potucek



Last modified 2006-07-25 09:47 AM
  • Unausgelastetes Parkdeck (R1)
  • Unausgelastetes Parkdeck - aber ein zweites soll her, das die ÖBB nicht will
  • Feinstaub-Aktion (R2)
  • Feinstaub-Aktion von Global2000 vor Lebensministerium
  • Feinstaubmessung (R3)
  • Greenpeace technisch hochgerüstet für Feinstaubmessung