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Antwortbrief auf den Serienbrief von LH Pröll

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PUK Sprecher Dr. Bernd Schweeger antwortet auf den Verwunderung auslösenden Pro-Umfahrung Brief, den alle Klosterneuburger und Klosterneuburgerinnen von LH Pröll im Juli 2006 erhalten haben. Im Anschluß der Originaltext des Briefes von LH Pröll.

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Pröll!

Das von Ihnen persönlich an alle Klosterneuburger Familien als Serienbrief versendete Schreiben, in dem Sie sich selbst das Zeugnis des „richtigen Wegs“ ausstellen zeigt Mehrfaches:

  • Sie haben sich mit den Details der „Verkehrsentlastung“ nicht beschäftigt: Während im Planfall 0 (keine Umfahrung) lt. Verkehrsplanungsstudie Snizek z.B. auf dem Stadtplatz 24300 Kfz/24H unterwegs sein werden, sind es im Planfall 1 (Umfahrung wie eingereicht) 17100 Kfz/24H, also 7200 Kfz/24H weniger. Das prognostizierte Gesamtverkehrsaufkommen auf der „Umfahrung“ zwischen Bahnhof Weidling und Bahnhof Kierling wird 16500 Kfz/24H betragen. Wie können Sie angesichts dieser amtlichen Zahlen von einer Entlastung des Stadtzentrums von 25000 Fahrzeugen sprechen? Woher kommen diese? Wo fahren sie?

  • Sie haben zwar den Mut, zu einer rein politischen Entscheidung zu stehen – denn sämtliche mir bekannten Fachleute beschreiben das „Umfahrungs“-Projekt als verkehrstechnisch nicht sinnvoll und ökologisch unverträglich – aber keine Begründung für diesen „richtigen Weg“ liefern können, denn dass als Begründung die Tatsache angeführt wird, dass die „Bauarbeiten vergeben wurden und begonnen werden“ kann ich als Akademiker nur als Beleidigung meines Denkvermögens betrachten.

  • Sie sich sehr weit vom (Klosterneuburger) Bürger abgekoppelt haben. Wie könnten Sie sonst von „Entlastungen“ sprechen, wenn die Belastungen nur an andere Stellen verlagert werden, die dann andere MitbürgerInnen trifft? Diese Grundhaltung widerspricht auch den Eckpfeilern der NÖ Raumordnung: es geht um Verkehrsreduktion, nicht -verlagerung!

Überdies fühle ich mich durch Ihren Brief persönlich verhöhnt. Sie danken für meine Unterstützung dieses Projekts. Ich habe in keiner Weise dieses „Umfahrungsprojekt“ unterstützt, ich zähle mich sogar zu den schärfsten Kritikern, halte daher den undifferenzierten Dank für inadäquat.

Ich erlaube mir abschließend eine Anregung zu formulieren: Sie haben zweifellos durch die Planung einer Anbindung des Gewerbegebiets Schüttau ein 20jähriges Versäumnis der Klosterneuburger Stadtregierung ausgeglichen. Auch ich halte grundsätzlich die Anbindung für sinnvoll (wenn auch an anderer Stelle). Durch Unterlassung des Baus der „Entlastungsstraße“ können Sie Einsparungen in Ihrer „Portokasse“ in der Größenordnung von Euro 45 Mio. lukrieren, die aus unserer Sicht in der Abendröte des Erdölzeitalters, unter Betrachtung der massiven Probleme mit Luftschadstoffen, in die Attraktivierung des Öffentlichen Verkehrs und der Förderung verbraucherseitiger Energieeinsparung gesteckt werden könnten.

In diesem Sinne bitte ich Sie mittels politisch mutigen Kraftakts die Projektfortsetzung zu stoppen und tatsächlich ökologische Lösungen zu ermöglichen. Ich würde mir überdies wünschen, Ihnen persönlich in einem Gespräch unsere Überlegungen darlegen zu können.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Dr. Bernd Schweeger

Der Originaltext des Schreibens von LH Pröll:

Herrn
Dr. Bernhardt Schweeger-Exeli
Markgrafengasse 16
3400 Klosterneuburg
St. Pölten, im Juli 2006

Sehr geehrter Herr Dr. Schweeger-Exeli!

Die Verkehrssituation in Klosterneuburg stellt eine besondere Herausforderung dar. Eine Situation, mit der Sie als Bewohner von Klosterneuburg mehr konfrontiert sind als andere. Eine Herausforderung, die Sie und uns mehr fordert als andere.

Umso intensiver und nachdrücklicher arbeiten wir gemeinsam an Lösungen, die verkehrstechnisch sinnvoll und ökologisch verträglich sind.

Heute können wir sagen: Wir sind auf dem richtigen Weg. Denn: Die Bauarbeiten für die Umfahrung Klosterneuburg wurden vergeben und werden begonnen.

Was wir von der Umfahrung erwarten, liegt auf der Hand: Zum einen mehr Sicherheit, zum anderen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger. Das Stadtzentrum von Klosterneuburg, das heute vom starken Verkehrsaufkommen betroffen ist, wird nach Verkehrsfreigabe der Umfahrung Ende 2008 um bis zu 25.000 Fahrzeuge täglich entlastet.

Zudem wird im Zuge des Umfahrungsbaus der Hochwasserschutz für Klosterneuburg, der Lärmschutz an Bahn und Straße sowie die Anbindung des Industriegebiets ver­bessert. Und aus ökologischer Sicht kann durch die Verlegung des Durchstichs (Klosterneuburger Gerinne) dieser naturnah rückgebaut werden.

Mit dem Beginn der Bauarbeiten ist ein wichtiger Schritt zu mehr Sicherheit und Lebensqualität in Klosterneuburg gesetzt. Ich danke Ihnen für die bisherige Unter­stützung bei der Verwirklichung dieses Projektes und hoffe, dass Sie uns auf dem weiteren Weg zu einer entlasteten Verkehrssituation in Klosterneuburg ebenso unterstützen werden.

Mit den besten Wünschen

Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll


(Landhausplatz 1, 3109 St. Pölten. E-mail: landeshauptmann.proell@noel.gv.at)


Last modified 2006-07-14 06:32 PM
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