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Fragwürdige Ergebnisse der Haushaltsbefragung durch die Stadtgemeinde zu Verkehrsthemen

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Die Stadtgemeinde hat im Juni eine Befragung der Klosterneuburger Haushalte vorgenommen, die von der PUK wegen ihrer ausschließlich an Auto-Verkehr orientierten Fragen in dieser Form abgelehnt worden war. Den Medien wurde seitens der Stadtgemeinde nur jubelnd eine 65%ige Zustimmung zu einem geplanten Tunnelbau zur Kenntnis gebracht, und die massive Ablehnung der konzeptlosen Verkehrsmaßnahmen der oberen Stadt durch die BürgerInnen zum Anlass genommen, diese mit sofortiger Wirkung bereits im Sommer wieder aufzuheben. Endlich wurden die Auswertung und die Rohdaten allen Fraktionen zur Verfügung gestellt. Nach Detailanalysen machen wir uns unsere eigenen Gedanken...

Spät aber doch wurde der PUK (wie auch anderen nachlässig behandelten Gemeinderatsfraktionen) am 30. Oktober 2009 eine 1½ Seiten lange (!) Auswertung der €6000,- teuren Befragung sowie die Rohdaten in maschinenlesbarer Form ausgehändigt. Zu diesem Zweck war ein Dringlichkeitsantrag der PUK im Juli, sowie eine dringliche Anfrage an den Bürgermeister Anfang Oktober nötig.


Wenig vertrauenswürdige Auswertung

Einleitende Anmerkung: als mit Statistik und Datenbanken „aufgewachsen“ unterzog Dr. Schweeger das Datenkonvolut einer kurzen Plausibilitätskontrolle. Das Ergebnis ist ernüchternd. Mindestens bei 9 Fragebögen wurde bei Mehrfachankreuzungen von „ja“ und „nein“ das politisch wünschenswertere codiert – also ein „ja“ zu Tunnel oder Verkehrsmaßnahmen obere Stadt.
Wie viele solche Fälle sind da wohl noch vorhanden?!?!?!

Einige Beispiele von unkorrekter Kodierung: Bei Id 1527, 4737, 1893, 1895 wurde bei Tunnel "1" (also Tunnel-ja) eingetragen, trotz "?"; bei Id 3625, 3499 wurde bei Tunnel "1" eingetragen (also Tunnnel-ja), obwohl ja+nein angekreuzt war; bei Id 3635, 810, 3499 wurde bei Maßnahmen "1" (also Befürwortung Verkehrsmaßnahmen ob. Stadt), obwohl ja+nein angekreuzt war.

Solche Unsauberkeiten werfen immer die Frage auf, ob ähnliche „Sorgfalt“ auch im übrigen Konvolut zu finden ist und stärken nicht das Vertrauen in die Unparteilichkeit der Verantwortlichen.


Kierling/Hagental gegen Donautal – das ist Brutalität…

Besonderes Ergebnis ist, dass die Kierlinger/Gugginger zahlenmäßig den größten Anteil an den Beantwortenden haben (1038 Haushalte, also über 20% aller Beantwortungen), und überdies nun entgegen dem allgemeinen Trend (ca. 65%) weder die „Umfahrung“ als Vorteil sehen, noch einen Tunnel wollen: nämlich ca. 55% sind gegen den Tunnel, ebenso sehen 55% keinen Vorteil in der „Umfahrung“.

Weiteres sehr klares Ergebnis ist, dass die Kritzendorfer (753 Haushalte, also etwa 15% aller Beantwortungen), die unter der massiven Mehrbelastung des erhöhten Durchzugsverkehrs klagen, nun zu 79% den Tunnel wollen (die höchste Zustimmungsquote aller Ortsteile), weil sie sich davon eine Entlastung erwarten.

Damit ist genau das erreicht worden, was von Anfang an zu erwarten war: Kampf zwischen Donautal (Gewinner in der Nutzung, Verlierer in Umgebungslärm) und Kierling/Hagental (Saldomäßig jedenfalls Verlierer).


Trivialergebnisse und Polarisierung

Je mehr die „Umfahrung“ benützt wird, desto mehr wird sie als Vorteil gesehen (trivial). Allerdings sehen umgekehrt diejenigen, die sie nie benutzen auch weit mehr als erwartet keinen Vorteil in der „Umfahrung“.

Statistische Detailauswertungen zum Tunnel zeigen noch stärkere Polarisierung: wenn man „ja“ zur „Umfahrung“ gesagt hat, neigt man überproportional dazu „ja“ zum Tunnel zu sagen, umgekehrt sagen weit mehr als erwartet „nein“ zum Tunnel, wenn sie die „Umfahrung“ nicht als Vorteil sehen. Das spricht für die starke Wirkung des Florianiprinzips: endlich kann ich eine Schnellstraße nutzen, jetzt schaffe mir doch bitte noch eine weitere – woanders – damit die „Durchfahrer“ aus dem Tullnerfeld nicht an meiner Haustüre vorbeifahren.

Die weiterhin offene Frage ist: Welche umweltschonenden Alternativen stehen für Mobilität zur Verfügung? Zu diesem Themenkomplex wurde bekanntlich keine einzige Frage gestellt…..


Verbalkommentare wurden nicht ausgewertet

Die abgegebenen weit über 1000 Kommentare (ca. 1/5 der Rücklaufquote) sind bis jetzt noch keiner öffentlich zugänglichen Auswertung unterzogen worden. Eine so große Menge an Kommentaren zeigt erfahrungsgemäß, dass bei den Befragten Präzisierungsbedarf gegeben war. Die Kommentare sind auch vielfach weit schlüssiger als die simple Zustimmung oder Ablehnung des Tunnels. Eine wirklich vernünftige, aber sicherlich sehr aufwendige Auswertung müsste eine Kategorisierung der Aussagen vornehmen.

So ist vielfach die Zustimmung zu Tunnel oder Verkehrsmaßnahmen ausschließlich von Phantasie beflügelt, indem "Tunnel ja, aber ganz woanders - z.B. bis zur ISTA oder darüber hinaus" gesagt wird. Viele wissen offenbar gar nicht, wie dieses Tunnel-Projekt tatsächlich aussieht. Dies zeigt das massive Informationsdefizit weiter Bevölkerungsteile auf. Weiters zeigt es auf, wie sinnlos Befragungen sind, bevor sich die Bevölkerung ein ausgewogenes Bild von Vor- und Nachteilen machen konnte.


Alibihandlung mit Manipulationsabsicht

Endgültig als scheindemokratische Alibihandlung entlarvt sich diese Befragung, wenn man bedenkt, dass bereits im April dieses Jahres mit den Stimmen von VP und SP der Bau des Tunnels vom Land NÖ gefordert worden war.

Die Ergebnisse können aus unserer Sicht keinesfalls als „breite Zustimmung“ der Bevölkerung gedeutet werden. Ein simpler Rechenvorgang: eine Rücklaufquote von knapp über 5100 an Haushalte (!) gerichteten Fragebögen steht einer wahlberechtigten Bevölkerung von ca. 25000 gegenüber, das ist also knapp über 20%. Viele Antwortenden beklagen in Kommentaren: „wir sind ja mehrere Personen im Haushalt – nicht alle einer Meinung“. Wenn 65% zum Tunnel „ja“ sagen, so ist dies keineswegs als „breite Zustimmung“ zu werten, weil 65% von 20% der Wahlberechtigten insgesamt nur 13% der Wahlbevölkerung darstellt.

Soviel Basismathematik sei den Verantwortlichen ins Stammbuch geschrieben“, so Schweeger, „Wird dieses Tunnelprojekt – bei dem es ganz klar erkennbare Verlierer gibt, nämlich die Bevölkerung von Kierling und Maria-Gugging – wie von den Projektbetreibern geplant durchgeführt, werden die BewohnerInnen dieses Tales mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den stimmengeilen Großparteien das Fürchten lehren. Ganz im Sinne von Asterix und Obelix! Uns freut jedenfalls, dass die BewohnerInnen dieses „Gallischen Dorfes“ inzwischen die Schlinge erkannt haben, die um ihren Hals gelegt wird.“

Last modified 2009-11-09 01:22 PM
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