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Verkehrskonzept Klosterneuburg als Etikettenschwindel

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„Verkehrsmaßnahmen“ Lichtjahre von einem Mobilitätskonzept entfernt!
Verblüffte BürgerInnen konnten der im Eilzugstempo von „Haus-und-Hof-Planer“ DI Kiener vorgestellten „Maßnahmensammlung“ zu Änderungen der Verkehrsführung in Oberer und Unterer Stadt kaum folgen. Elegant wurden nicht nachvollziehbare Prognosezahlen für den durchschnittlichen täglichen Verkehr genannt, die, wenn man sie ernst nimmt, eigentlich erschrecken müssten. Die Fragen zeigten, dass die Erwartungen der BürgerInnen jedenfalls ganz andere waren.

Angemerkt werden muss, dass auf der Homepage der Stadtgemeinde nur eine Version der Präsentation ohne Prognosezahlen abrufbar ist – offensichtlich kann dem Bürger die volle Wahrheit nicht zugemutet werden!

Dass den vorgestellten Maßnahmen kein Verkehrskonzept zugrunde liegt, wird zuletzt auch von DI Kiener –vom Sprecher der PUK, Dr. Schweeger, darauf direkt angesprochen – zugegeben.

„Denn ein Verkehrskonzept muss selbstverständlich alle Mobilitätsträger berücksichtigen, Fußgänger, Radfahrer, öffentlichen Verkehr, fließenden und ruhenden Kfz-Verkehr. Ein Verkehrskonzept muss sich um Verkehrserreger kümmern: Schulen, Behörden, Freizeiteinrichtungen, medizinische und Alterseinrichtungen… und deren Erreichbarkeit. Natürlich wären spezielle Herausforderungen – wie etwa Schulwege – den vorgeschlagenen Maßnahmen zu Grunde zu legen. Und ganz selbstverständlich sind Ziele eines Verkehrskonzepts offenzulegen, wie z.B. Sicherheit, Schadstoffminimierung, Streckenminimierung, Lebensqualität, Ortskernbelebung, Nahversorgung, Ortsbild, um nur einige zu nennen. Solchen Zielen hat sich Verkehrsplanung unterzuordnen!“, fordert Schweeger die Durchführung eines zeitgemäßen „Mobilitätskonzeptes“ für Klosterneuburg, die eine ganzheitliche Sicht zugrundelegt und dem Verkehrsgeschehen selbst eine dienende Rolle zuweist.

Radverkehrwege in der Oberen Stadt sind überhaupt nicht vorgesehen. Die vorgestellten „sanften Verkehrsbremsen“ der Oberen Stadt verdoppeln fast das Verkehrsaufkommen der Oberen Stadt, weil die Leute dann komplizierte Schleifen fahren müssen. Damit sind diese Maßnahmen als absolut unausgereift anzusehen. Auswirkungen auf Geschäftsleben am Stadtplatz, Rathausplatz, die Erreichbarkeit von Einkaufszentren und Fachmarktzentren wird nicht thematisiert.

Vorschläge zum Umbau der Wienerstraße tun so, als ob der Verkehr dort nach Eröffnung der „Umfahrung“ halbiert würde, was vermuten lässt, dass der Bau des „Martinstunnels“ stillschweigend vorausgesetzt wird. Breiten Lacherfolg im Saal erntete eine Wortmeldung, in der behauptet wurde, der Martinstunnel würde eine Entlastung für Kierlinger und Gugginger darstellen: offenbar erliegen manche der Illusion, ein Tunnel würde für Anrainer eine schnellere Verbindung zwischen Kierlingtal und Wien darstellen, wobei die rasante Entwicklung des Tullnerfeldes mit erhöhtem Verkehrsbedarf ignoriert wird. Ein Durchzugsverkehr würde die Lebensqualität des Tales sehr verringern.

Sollen KlosterneuburgerInnen in eine Zwickmühle gebracht werden – Erschwernisse in manchen Bereichen in einem Ausmaß, dass jeder nach einem Tunnel schreit, der die Situation dann erst wirklich ins Unerträgliche steigert?

Forderungen einer Reihe von BürgerInenn nach verbesserter Abstimmung der öffentlichen Verkehrsträger werden fälschlicherweise auf den Verkehrsverbund geschoben, dabei jedoch übersehen, dass für Stadtbus und Buslinien die Stadtgemeinde durchaus federführend ist.

Die Befürchtung der PUK, dass im Auftrag der Stadtverwaltung praktisch nur Verkehrplanungen für Kfz ohne Berücksichtigung des öffentlichen Verkehrs erfolgen, erfahren damit eine Bestätigung. Aussagen DI Kieners, nach denen die Stadtgemeinde seit 25 Jahren vergeblich versuche, die BürgerInnen zum öffentlichen Verkehr zu bringen, erscheinen durch den Konter Schweegers in einem anderen Licht: „Für den öffentlichen Verkehr gibt 2008 die Stadt ca. €800.000 aus, für Straßenbau und Erhaltung €5,000.000, also das 6fache. Und da wundert sich noch jemand?“

Nachtrag: 2 Minuten vor Beginn der Veranstaltung wurde die Komplettversion der PUK zur Verfügung gestellt.

"Verkehrskonzept Klosterneuburg 2008" [pdf, ca. 4.8 MB]

Last modified 2008-06-24 03:45 PM
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