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Folgeprojekte zur Umfahrung

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Beabsichtiger Nutzen und nachteilige Wirkungen des Baus des Martinstunnels und der Donaubrücke klaffen auseinander. Die Zusammenhänge werden hier in Kurzform analysiert

Diskutiert wird seit längerem der Bau von Folgeprojekten zur „Umfahrung B14-Klosterneuburg“. Die „Umfahrung“ ist ein Straße, die für sich allein genommen nur eine sehr geringe Verkehrswirksamkeit hat, und seinen hoch gepriesenen Vorteil, den Stadtplatz vom Durchzugsverkehr zu befreien, kaum nachkommen wird (ca. 20% Entlastung). Folgeprojekt 1 ist der ca. 1,2 Km lange „Martinstunnel“, der vom Bereich unterhalb der Martinskirche bis ins Kierlingtal, Höhe Elisabethstraße/Küffnergasse reichen soll. Für dieses Projekt liegen fertige Pläne vor, und das Land NÖ als Projektbetreiber hat sichergestellt, dass für dieses Projekt keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen sei. Folgeprojekt 2 ist eine Donaubrücke von Korneuburg nach Klosterneuburg. Hier existieren noch keine Pläne, sondern eine Standortstudie, die 4 mögliche Standorte nennt (zwischen Zeiselmauer und St. Andrä; nahe dem Kraftwerk Greifenstein; Rollfähre Klosterneuburg; Wiener Schüttau bei Donauwarte). Da sich beim Standort Rollfähre immer mehr zeigt, dass der massive Eingriff in das Natura 2000-Gebiet der Au nicht genehmigungsfähig sein würde, gilt als „neuer“ vierter Standort das Gewerbegebiet der Klosterneuburger Schüttau .

In welchem sensiblen Umfeld bewegen wir uns hier: bis jetzt ist der meiste Kfz-Verkehr in Klosterneuburg „hausgemacht“, genau genommen 85%. D.h. nur 15% kommen von ausserhalb, insb. dem Tullnerfeld. Entscheidender Faktor ist aber, dass das Tullnerfeld als vorrangiges Entwicklungsgebiet behandelt wird, und der dort generierte Verkehr kanalisiert werden muss. Auch lokal sind Verkehrserreger zu beachten, vor allem eine rasche Nutzung der „Baulandreserve“ sprich der Zuzug neuer BürgerInnen. Kein aussergewöhnlicher Verkehrserreger wird hingegen aller Voraussicht nach die „Eliteuni“ sein. Erschwerender Faktor ist die Unterversorgung Klosterneuburgs mitmittelfristigen Wirtschaftsgütern“ (Ergebnis einer Kaufstromanalyse der WKO).

Die Realisierung der Folgeprojekte hätte enorme Auswirkungen auf die Lebensqualität aller AnrainerInnen des Kierling- und Hagentals durch Ermöglichen eines massiven Durchzugsverkehrs. Emissionen von Luftschadstoffen und Lärm entlang der gesamten Strecke – besonders aber im Bereich der Tunnelportale – werden zunehmen. Die Barriere zwischen Stadtgebiet und dem Erholungsraum Au wird verstärkt.

Wir orten eine massive Diskrepanz zwischen dem beabsichtigten Nutzen der Folgeprojekte und ihren nachteiligen Wirkungen, wobei hier nur Hauptwirkungen erwähnt werden:

  • Der Versuch, Verkehr neu zu kanalisieren führt zu seiner Vermehrung.

  • Das Ermöglichen der Ansiedlung von Handels-Betrieben im Gewerbegebiet führt zur Ausdörrung der gewachsenen Zentren. Die Aufwertung des Gewerbegebiets führt damit zu einer Entwertung der Wohngebiete, in denen ohne Auto nichts mehr geht.

  • Der kaum wahrnehmbaren Entlastung einiger Straßenzüge steht eine massive Mehrbelastung anderer Gebiete gegenüber, weil nur Verkehrsverlagerung und -vermehrung stattfindet.

  • Sich über die Ersparnis zu freuen, weil das Land NÖ die Kosten der eigentlich in die Kompetenz der Gemeinde fallenden Anbindung des Gewerbegebiets zahlt, ist kurzsichtig: es erzeugt Folgekosten für Gemeinde und den einzelnen Bürger.

  • Die geplanten Straßenzüge führen nach außen zu gut eingeführten Handelszentren (Langenzersdorf, SCN…), zu weit preisgünstigeren Gastronomie- und Heurigenbetrieben nördlich von Korneuburg, zu neuen Zonen des Tullnerfelds. Mangels eigenen Angebots werden nicht fremde Geldbörsen nach Klosterneuburg gebracht, sondern unsere nach anderswo.

Indirekte Wirkungen dieser von uns abgelehnten Planungspolitik sind zahlreich und problematisch:

  • Die hohen Bau- und Erhaltungskosten der Folgeprojekte binden Steuergelder – aus welchem Topf auch immer – die zum Ausbau und zur Förderungen anderer Mobilitätsarten fehlen (ÖV=Öffentlicher Verkehr, Rad- und Fußwege). Damit wird ein Teufelskreis angeheizt:
    ÖV weniger dotiert -> ÖV nicht attraktiv -> ÖV nicht benutzt -> ÖV weniger dotiert…

  • Die Nachhaltigkeit von Mobilität mit dem Kfz ist nicht gesichert: hohe Treibstoff- und Umweltkosten werden zu Einschränkungen zwingen.

  • Das Erholungsgebiet der Au ist nicht mehr integrierender Bestandteil von Klosterneuburg.

Es werden also durch diese Politik gewachsene Zentren zerstört. Urbane Elemente, wie die fußläufige Erreichbarkeit aller Einrichtungen, die Möglichkeit, den öffentlichen Raum für Treffen zu nutzen, die Versorgung über lokale städtische Betriebe werden verunmöglicht.

Folge: Der Status Klosterneuburg = Schlafstadt wird verfestigt!

Last modified 2007-05-26 09:08 PM
  • Übersichtskarte (klein)
  • Übersichtskarte der Umfahrung (klein)
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