Fakten und Zahlen
Hier finden Sie einige Eckdaten zum Verkehr in Klosterneuburg.
Die in diesem Unterkapitel enthaltenen Daten und Fakten stammen aus den offiziellen Gutachten des Projektbetreibers, welche am 2. März 2004 den Projektinteressenten als Verhandlungsschrift für den 5. November 2003 – ja wirklich, 4 Monate später – zugesandt worden ist. Wenn die Privatwirtschaft bei der Erstellung von Sitzungsprotokollen auch so ein Tempo vorlegen würde, könnten wir wohl den Ausbau von Straßen komplett einstellen, und die österreichische Wirtschaft auf die Produktion von Wanderstiefel und Fahrrädern umstellen.
Interessant ist beim Studium der vom Land Niederösterreich und für das Land Niederösterreich erstellten Gutachten nicht nur der Detaillierungsgrad der Informationen, sondern vor allem, dass schon in der Planung die Vorschriften und behördenseitige Dienstanweisungen für Straßenbau nicht eingehalten werden können.
- Schon das Amtsärztliche Gutachten zeigt auf Seite 9 bei der Beurteilung der Lufthygenienischen Verhältnisse auf, dass Grenzwertüberschreitungen im Nahbereich nicht ausgeschlossen werden können. Insbesondere im östlichen angrenzenden Grundstücken kommt es zu einer Erhöhung der Stickoxide um 1-5 μg/m3 und Feinstaub 1-3 μg/m3.
- In der Prognosetabelle auf Seite 97 der Verhandlungsschrift kann man mit Entsetzen feststellen, dass an einigen Messpunkten in Zukunft mit Überschreitungen des zulässigen Grenzwertes von bis zu 10 dB Lärmpegel zu rechnen ist.
- Das Gutachten zur Luftgüte zeigt besondere Kreativität in der Interpretation der Werte im
Natura 2000 Schutzgebiet, an dessen Rand die Umfahrungstrasse verlaufen soll: „...auch im
schlechtesten Fall sei ein nur sehr geringer Anstieg der Immissionsbelastungen ... durch
die neue Trasse gegeben.“ Dieser Anstieg entstünde durch den Vergleich mit einer Hochrechnung
des Status Quo auf 2020, ohne dass dabei auch nur eine einzige der vielen möglichen alternativen
Maßnahmen zur Verringerung des Straßenverkehrs berücksichtigt wurde
(Förderung des öffentlichen Verkehr, Lenkungseffekte durch Öko-Steuer, alternative
Trassenführungen, etc.
Als geradezu kafkaesken Höhepunkt der amtlichen Texte kann jedoch das Gutachten zu den Verkehrsströmen herangezogen werden. Der Verkehr bildet ja laut Projektbetreibern den eigentlichen Grund für den Bau der Umfahrungsstraße, und das Verkehrsgutachten sollte wohl daher im Sinn der Niederösterreichischen Landesregierung die zu erwartende Verringerung der Verkehrsbelastung und Stauzeiten argumentieren. Aber es kam anders...der zuständige Gutachter gibt tatsächlich ein objektives Statement ab, welches unserer Ansicht nach die Sinnhaftigkeit des Gesamtprojektes grundlegend in Frage stellt.
- Wie man dem verkehrstechnischen Gutachten
entnehmen kann, erreicht die Auslastung der geplanten Straße an der Kreuzung B14/L116 bereits 1
Jahr nach Eröffnung
(2008) nahezu jene Auslastung, die entsprechend den Ausführungen der RVS bei Kreisverkehren
nicht überschritten werden sollte. Die absolute Leistungsgrenze sei bereits 2012 erreicht.
Vor allem im Bereich des Kreisverkehrs Weidlinger Straße seien in absehbarer Zeit deutliche
Rückstauerscheinungen zu erwarten.
Das Gutachten kommt in seiner zusammenfassenden Bewertung zu dem Schluss, dass ... aus verkehrtechnischer Sicht die Erfüllung der im Gesetz enthaltenen Forderungen jedenfalls nicht bestätigt werden kann.
Da wird zunächst in ein Natura 2000 Schutzgebiet und ein für alle Klosterneuburger und den Tourismus wertvolles Naherholungsgebiet ein tiefgreifender Einschnitt mit einem Investitionsvolumen von 70 Mio. EUR (ca. 1 Mrd. öS) vorgenommen, der übrigens während der Bauzeit von 2-4 Jahren natürlich auch zahlreiche Verkehrsstaus verursachen wird. In der Folge können 28.000 Autofahrer die Strecke Klosterneuburg-Wien im Schnitt 1-3 Minuten rascher überwinden, bis sie nach nur 1 Jahr die gewonnene Zeit wieder verlieren, und nur wenige Meter von Ihrer alten Staustelle wieder in der Verkehrslawine hängen bleiben werden.
Unter der Annahme von 70 Mio € Baukosten, bedeutet dieses schon heute klar und eindeutig prognostiziertes Problem, dass für die rund 28.000 Kfz, welche täglich zwischen Wien und Klosterneuburg verkehren (Seite 3 des Gutachtens) je Arbeitstag rund 10€ investiert werden, um die Stauzeiten in diesem einen Jahr um 1-3 Minuten zu reduzieren. Anders ausgedrückt beträgt die staatliche Fördersumme zur Verringerung der Wartezeit eines Autofahrer beträgt somit runde 120,- € pro Stunde (jawohl EUR, nicht Schilling, in dieser Währung wären es 1.651,- öS je Stunde.) Es sei jedem Mitbürger/jeder Mitbürgerin selbst überlassen, den ganz persönlichen Wert seiner/ihrer Arbeits-, Weg- und Freizeit zu bemessen. Faktum est, dass das Land Niederösterreich möglicherweise noch dringendere Probleme in unserem Bundesland haben sollte, wo 70 Mio € einen höheren Beitrag zur allgemeinen Wohlfahrt liefern könnte, als die Zerstörung von Lebensqualität in Klosterneuburg. Eine Reihe von effektiveren Maßnahmen zu weit geringeren Kosten steht zur Verfügung, um dem Verkehrsproblem Herr zu werden.